Seite drucken
Zum Landkreis-Portal
Landratsamt Günzburg

Integrationspreis 2018

Die Preisträger 2018 sind die Flüchtlings- und Integrationsberatung im Landkreis Günzburg mit dem Projekt „REING’SCHMECKT – Ein kulinarischer Blick über den
Tellerrand“ und Mozaik, der Deutsch-Türkische Freundschaftsverein e.V. aus Günzburg.

Vorstellung der Preisträger

Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Neu-Ulm


Die Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Neu-Ulm richtet sich an Menschen, die im Besitz einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung sind, sowie an anerkannte Flüchtlinge. Auch EU-Bürger oder andere Migranten können das Beratungsangebot wahrnehmen.

Das Beratungsangebot wird vom Bayerischen Staatsministerium, der Evang.-Luth. Landeskirche Bayern und aus kommunalen Mitteln gefördert. Das Beratungsangebot ist kostenlos und kann freiwillig/bei Bedarf aufgesucht werden.

Die Aufgaben schließen die Beratung über das Asylverfahren und Ausländerrecht, Existenzsicherung, Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten, die Beratung bei alltäglichen Problemen, das Unterstützen beim Ausfüllen von Anträgen, die Vermittlung in Deutschkurse oder Arbeit, Weitervermittlung an Einrichtungen und Behörden wie z.B. die Zentrale Rückkehrberatung (ZRB), das Behandlungszentrum für Folteropfer (BFU), Anwälte oder Ärzte ein. Auch die Beratung von Ehrenamtlichen, die sich für den Bereich Asyl interessieren, die Organisation von Projekten und Netzwerkarbeit gehören zum Arbeitsalltag der Beratungsarbeit.

Ausgezeichnet wurde das Projekt Kochbuch „REING’SCHMECKT – Ein kulinarischer Blick über den Tellerrand“. Lucia Grau, Julia Ruf und Jasmin Mailänder, Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle, erläutern die Idee für das Vorhaben: „Die Idee für die Gestaltung eines Kochbuchs kam uns Flüchtlings- und Integrationsberaterinnen des Diakonischen Werkes Neu-Ulm e.V. während der Arbeit. Geht an einem Tag die Heizung nicht, so werden wir mit verschiedenen Tees oder Kaffee versorgt. Müssen wir mittags länger arbeiten, wird uns frischgebackenes Brot oder Reis gebracht und nachmittags gibt es allerhand Süßes. Dies zeigt uns deutlich, dass viele der Menschen versuchen, etwas zurückzugeben, sich für die Hilfe zu bedanken, die sie hier erhalten. Dieses „Dankeschön“ wollten wir durch die Gestaltung des Kochbuches weitergeben. Für das Kochbuch wollten wir vielseitige Rezepte aus verschiedenen Ländern zusammentragen. Um es auch informativ zu gestalten, wurden über die jeweiligen Länder Informationen erstellt. Ziel des Projektes ist es, die Menschen und die verschiedenen Kulturen einander näher zu bringen und neben der ganzen politischen Debatte einen Einblick in die schönen Dinge zu geben, die die Arbeit mit Flüchtlingen und Asylbewerbern mit sich bringt.

Für die Erstellung des Kochbuchs wurden Kochaktionen veranstaltet, bei denen die Flüchtlinge teilnehmen und ihre Lieblingsrezepte aus der Heimat kochen konnten. Es wurden die leckersten Gerichte gezaubert und die Rezepte wurden nebenher mit Hilfe von Ehrenamtlichen mitnotiert, abfotografiert und anschließend gemeinsam verzehrt. Die Kochaktionen fanden direkt in der Asylunterkunft oder in Schulküchen statt. Das Projekt wurde von ca. 20 aktiven Ehrenamtlichen aus den Asylhelferkreisen und 40 Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Nigeria, Sierra Leone, dem Senegal, der Türkei und der Ukraine unterstützt.

Für die Flüchtlinge bedeutet ein Leben in Deutschland, sich auf Neues einzulassen, aber dennoch alte Traditionen nicht zu vergessen. Auch für alle im Landkreis Günzburg lebenden Bürgerinnen und Bürger ist es eine neue Erfahrung, sich fremden Kulturen zu öffnen und eine Herausforderung, sich den Sprachbarrieren zu stellen. Man bezeichnet im Schwäbischen jemanden als „Reing’schmeckten“, wenn er zugezogen ist und andere Wurzeln hat. Gleichzeitig bedeutet „reinschmecken“ in manchen Regionen aber auch etwas Neues zu probieren oder einen groben Einblick in etwas zu gewinnen.

Das Kochbuch trägt zur Integration bei, da es viele ländertypische Informationen enthält, welche niederschwellig weitergegeben werden. Des Weiteren bietet das geschmackliche Erleben einen neuen Zugang zu den Menschen aus fremden Ländern. Italiener, Griechen oder Thailänder haben sich längst ihren Platz in unseren Mägen erkocht, also warum nicht auch Afghanen oder Syrer?

Integration kann nur durch beide Seiten gelingen. Im Rahmen dieses Kochbuches haben die Flüchtlinge nun die Möglichkeit, etwas von sich zurückzugeben.“

Mozaik – Deutsch-Türkischer Freundschaftsverein e.V.


Der Mozaik – Deutsch-Türkischer Freundschaftsverein e.V. wurde in Günzburg vor gut 20 Jahren gegründet. Der Vereinszweck ist es den kulturellen Austausch zwischen Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund und der deutschen Bevölkerung zu fördern. Im Vordergrund steht, so die Vorsitzende Reyhan Karabulut, sich kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden statt nach Trennendem zu suchen.

Neben regelmäßigen Treffen zum gemeinsamen Mittagessen organisiert der Verein Veranstaltungen zu folgenden Themen:

  • Interreligiösen Austausch
  • Kleinkunst, Kabarett, Theater
  • Kulturabende zu türkischer Literatur und Lyrik
  • Ein „Kulturbrunch“
  • Fastenbrechen im Ramadan (für Günzburg war das eine Initiative von Mozaik)
  • Podiumsdiskussion zum deutsch-türkischen Verhältnis in Günzburg
  • 2003 beteiligte sich der Verein an der Friedensdemonstration gegen den Irakkrieg, 2008 an der Aktion „Günzburg tolerant und weltoffen“ gegen den Rechtspopulismus. Beide Male war der Verein Teil eines breiten, interreligiösen und gesellschaftlichen, Konsenses.
  • 2012 konnte der Künstler Cem Dogan aus der Türkei gewonnen werden, nach Günzburg zu kommen, um der Eröffnung seiner Fotoausstellung „das Licht Anatoliens“ in der Sparkasse beizuwohnen.
  • 2017 stellte der Verein im Turniergarten in Günzburg eine Parkbank als Erinnerung an unser 20jähriges Bestehen auf. Bislang hat der Verein zwei Reisen organisiert:
  • 2013 Besuch der alten und immer noch heimliche Hauptstadt der Türkei Istanbul
  • 2016 Besuch der deutschen Hauptstadt Berlin

„Durch die zunehmende politische Polarisierung sowohl in Deutschland als auch in der Türkei wird die Vereinsarbeit nicht leichter aber, so sind wir überzeugt, umso wichtiger“, sagt Reyhan Karabulut.