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Landratsamt Günzburg

Integrationspreis Landkreis Günzburg

Im Landkreis Günzburg leben viele Menschen mit Migrationshintergrund. Diese bereichern uns! Wie wir Integration meistern, ist entscheidend für die Gesellschaft, auch für unseren Landkreis.

Unser Ziel ist eine Kultur des Miteinanders, so dass Menschen mit ausländischen Wurzeln sich einbringen können und wollen. Anerkennung und Wertschätzung sind wichtige Stichpunkte. Damit Integration auch gelingen kann sind unterschiedliche Anstrengungen notwendig, und dies betrifft die Aufnahmegesellschaft wie die Zugewanderten.

Vor Ort im Landkreis gibt es viele Menschen und Initiativen, die sich ehrenamtlich engagieren und sich um die Integration in besonderer Weise verdient machen. Dieses vielfältige Engagement bringt Zugewanderte und Einheimische näher zusammen und fördert somit Integration nachhaltig.  Um dieses Engagement zu würdigen, öffentlich und bewusst zu machen und zur Nachahmung sowie zur Entwicklung neuer Ideen anzuregen, vergibt der Landkreis Günzburg einen eigenen Integrationspreis.

Integrationspreis 2018

Die Preisträger 2018 sind die Flüchtlings- und Integrationsberatung im Landkreis Günzburg mit dem Projekt „REING’SCHMECKT – Ein kulinarischer Blick über den
Tellerrand“ und Mozaik, der Deutsch-Türkische Freundschaftsverein e.V. aus Günzburg.

Vorstellung der Preisträger


Die Flüchtlings- und Integrationsberatung der Diakonie Neu-Ulm richtet sich an Menschen, die im Besitz einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung sind, sowie an anerkannte Flüchtlinge. Auch EU-Bürger oder andere Migranten können das Beratungsangebot wahrnehmen.

Das Beratungsangebot wird vom Bayerischen Staatsministerium, der Evang.-Luth. Landeskirche Bayern und aus kommunalen Mitteln gefördert. Das Beratungsangebot ist kostenlos und kann freiwillig/bei Bedarf aufgesucht werden.

Die Aufgaben schließen die Beratung über das Asylverfahren und Ausländerrecht, Existenzsicherung, Unterstützung bei behördlichen Angelegenheiten, die Beratung bei alltäglichen Problemen, das Unterstützen beim Ausfüllen von Anträgen, die Vermittlung in Deutschkurse oder Arbeit, Weitervermittlung an Einrichtungen und Behörden wie z.B. die Zentrale Rückkehrberatung (ZRB), das Behandlungszentrum für Folteropfer (BFU), Anwälte oder Ärzte ein. Auch die Beratung von Ehrenamtlichen, die sich für den Bereich Asyl interessieren, die Organisation von Projekten und Netzwerkarbeit gehören zum Arbeitsalltag der Beratungsarbeit.

Ausgezeichnet wurde das Projekt Kochbuch „REING’SCHMECKT – Ein kulinarischer Blick über den Tellerrand“. Lucia Grau, Julia Ruf und Jasmin Mailänder, Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle, erläutern die Idee für das Vorhaben: „Die Idee für die Gestaltung eines Kochbuchs kam uns Flüchtlings- und Integrationsberaterinnen des Diakonischen Werkes Neu-Ulm e.V. während der Arbeit. Geht an einem Tag die Heizung nicht, so werden wir mit verschiedenen Tees oder Kaffee versorgt. Müssen wir mittags länger arbeiten, wird uns frischgebackenes Brot oder Reis gebracht und nachmittags gibt es allerhand Süßes. Dies zeigt uns deutlich, dass viele der Menschen versuchen, etwas zurückzugeben, sich für die Hilfe zu bedanken, die sie hier erhalten. Dieses „Dankeschön“ wollten wir durch die Gestaltung des Kochbuches weitergeben. Für das Kochbuch wollten wir vielseitige Rezepte aus verschiedenen Ländern zusammentragen. Um es auch informativ zu gestalten, wurden über die jeweiligen Länder Informationen erstellt. Ziel des Projektes ist es, die Menschen und die verschiedenen Kulturen einander näher zu bringen und neben der ganzen politischen Debatte einen Einblick in die schönen Dinge zu geben, die die Arbeit mit Flüchtlingen und Asylbewerbern mit sich bringt.

Für die Erstellung des Kochbuchs wurden Kochaktionen veranstaltet, bei denen die Flüchtlinge teilnehmen und ihre Lieblingsrezepte aus der Heimat kochen konnten. Es wurden die leckersten Gerichte gezaubert und die Rezepte wurden nebenher mit Hilfe von Ehrenamtlichen mitnotiert, abfotografiert und anschließend gemeinsam verzehrt. Die Kochaktionen fanden direkt in der Asylunterkunft oder in Schulküchen statt. Das Projekt wurde von ca. 20 aktiven Ehrenamtlichen aus den Asylhelferkreisen und 40 Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien, Somalia, Nigeria, Sierra Leone, dem Senegal, der Türkei und der Ukraine unterstützt.

Für die Flüchtlinge bedeutet ein Leben in Deutschland, sich auf Neues einzulassen, aber dennoch alte Traditionen nicht zu vergessen. Auch für alle im Landkreis Günzburg lebenden Bürgerinnen und Bürger ist es eine neue Erfahrung, sich fremden Kulturen zu öffnen und eine Herausforderung, sich den Sprachbarrieren zu stellen. Man bezeichnet im Schwäbischen jemanden als „Reing’schmeckten“, wenn er zugezogen ist und andere Wurzeln hat. Gleichzeitig bedeutet „reinschmecken“ in manchen Regionen aber auch etwas Neues zu probieren oder einen groben Einblick in etwas zu gewinnen.

Das Kochbuch trägt zur Integration bei, da es viele ländertypische Informationen enthält, welche niederschwellig weitergegeben werden. Des Weiteren bietet das geschmackliche Erleben einen neuen Zugang zu den Menschen aus fremden Ländern. Italiener, Griechen oder Thailänder haben sich längst ihren Platz in unseren Mägen erkocht, also warum nicht auch Afghanen oder Syrer?

Integration kann nur durch beide Seiten gelingen. Im Rahmen dieses Kochbuches haben die Flüchtlinge nun die Möglichkeit, etwas von sich zurückzugeben.“


Der Mozaik – Deutsch-Türkischer Freundschaftsverein e.V. wurde in Günzburg vor gut 20 Jahren gegründet. Der Vereinszweck ist es den kulturellen Austausch zwischen Bürgern mit türkischem Migrationshintergrund und der deutschen Bevölkerung zu fördern. Im Vordergrund steht, so die Vorsitzende Reyhan Karabulut, sich kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten zu finden statt nach Trennendem zu suchen.

Neben regelmäßigen Treffen zum gemeinsamen Mittagessen organisiert der Verein Veranstaltungen zu folgenden Themen:

  • Interreligiösen Austausch
  • Kleinkunst, Kabarett, Theater
  • Kulturabende zu türkischer Literatur und Lyrik
  • Ein „Kulturbrunch“
  • Fastenbrechen im Ramadan (für Günzburg war das eine Initiative von Mozaik)
  • Podiumsdiskussion zum deutsch-türkischen Verhältnis in Günzburg
  • 2003 beteiligte sich der Verein an der Friedensdemonstration gegen den Irakkrieg, 2008 an der Aktion „Günzburg tolerant und weltoffen“ gegen den Rechtspopulismus. Beide Male war der Verein Teil eines breiten, interreligiösen und gesellschaftlichen, Konsenses.
  • 2012 konnte der Künstler Cem Dogan aus der Türkei gewonnen werden, nach Günzburg zu kommen, um der Eröffnung seiner Fotoausstellung „das Licht Anatoliens“ in der Sparkasse beizuwohnen.
  • 2017 stellte der Verein im Turniergarten in Günzburg eine Parkbank als Erinnerung an unser 20jähriges Bestehen auf. Bislang hat der Verein zwei Reisen organisiert:
  • 2013 Besuch der alten und immer noch heimliche Hauptstadt der Türkei Istanbul
  • 2016 Besuch der deutschen Hauptstadt Berlin

„Durch die zunehmende politische Polarisierung sowohl in Deutschland als auch in der Türkei wird die Vereinsarbeit nicht leichter aber, so sind wir überzeugt, umso wichtiger“, sagt Reyhan Karabulut.

Integrationspreises 2016

Integrationsbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung Martin Neumeyer und Landrat Hubert Hafner haben den neu ausgelobten, ersten Integrationspreis des Landkreises Günzburg verliehen an fünf Preisträger

Vorstellung der Preisträger

 

Essen verbindet und bietet eine gute Möglichkeit der Kontaktaufnahme. Die Krumbacher Gruppe „Subkult“ griff diese Tatsache auf. Es bestand das Bedürfnis, Asylsuchende mehr ins Alltagsleben zu holen und Begegnungen zu ermöglichen. So lassen sich am besten Vorurteile und Berührungsängste abbauen. Angedacht war ein einfacher Kneipenabend oder eine Art Flüchtlingscafé.  Der ersten Preisträgerin des Abends kam die zündende Idee, das Ganze mit Kulinarik zu verbinden. In Krumbach lebende Flüchtlinge oder Migranten sollten ihre Kultur über Spezialitäten ihrer Heimat vorstellen. Subkult setzte den Gedanken der Preisträgerin im Sommer 2016 in die Tat um und so entstand ihr Projekt Meet & Eat.

Welche Musik läuft in Pakistan? Was ist russischer Jazz? Und was landet in Griechenland auf dem Grill? Bei Meet & Eat können diese Fragen beantwortet werden, denn jeder Abend ist einer anderen Kultur gewidmet. Die Gäste können sich am Buffet bedienen und direkt mit den Gastgebern und Köchen in Kontakt treten. Abgerundet werden diese kulturellen Abende durch kulturtypische Musik und Tanzeinlagen. Ihre Idee, liebe Frau Fleischmann, wurde zu einem vollen Erfolg: der türkische Abend brachte 120 Gäste zusammen, der syrische Abend sogar 150 Besucher. Selten durfte man in einer Gaststätte im Landkreis am selben Abend Gespräche in Deutsch, Englisch, Arabisch, Türkisch, Urdu und diversen anderen Sprachen hören. Mit dem bunt gemischten Publikum bot sich ein Bild für gelebte Integration. Durch eine beständige Wiederholung ist auch eine hohe Nachhaltigkeit gegeben.

 

Für dieses Schulprojekt haben sich acht Schülerinnen mit ihrer Lehrkraft Karin Mengele dem aktuellen Thema „Asyl“ gewidmet. Begleitet wurden sie dabei von der Initiative „Günzburg hilft“, mit Frau Evi Bäuml als Ansprechpartnerin.  Im Einzelnen vom Maria-Ward-Gymnasium haben sich engagiert :

  • Laura Feind
  • Alicia Meißle
  • Joanne Leong
  • Julia Rott
  • Lara Wagner
  • Tanja Wiedemann
  • Carla Zeisberger
  • Pauline Riegel

Die Schülerinnen sind mit dem Thema gewachsen. Sie haben sich ein Jahr lang jede Woche, zusammen mit Ehrenamtlichen der Initiative, die Nachmittagsbetreuung für Asylbewerberkinder übernommen.  Es wurde gespielt, gebastelt oder bei den Hausaufgaben geholfen. Beim gemeinsamen Plätzchen backen sind auch den Kindern heimische Bräuche, beispielsweise Weihnachten, nähergebracht worden. Es wurden auch diese Plätzchen am Nikolausmarkt verkauft und mit dem Erlös konnte so jedem Kind ein Weihnachtswunsch erfüllt werden. Zudem haben die Schülerinnen eine Spendenaktion gestartet und Kleidung, Spielsachen und Bücher für die Kinder gesammelt.

Auch statistisch hat das P-Seminar das Thema „Asyl“ aufgearbeitet. Einen selbst entwickelten Fragebogen zu Vorurteilen gegenüber Flüchtlingen ist verteilt und ausgewertet worden. Ebenfalls selbst entworfen haben die Schülerinnen einen Stadtplan auf Englisch und Arabisch, der auf die Bedürfnisse der Asylbewerber im Stadtkern von Günzburg zugeschnitten ist. Dokumentiert haben die Schülerinnen alle Ergebnisse von diesem Jahr in einer Powerpoint-Präsentation, in Filmen und Fotos. Darin erklären sie auch die Auswirkungen von Flucht und Krieg auf die Psyche der Kinder. Das Ziel der Präsentation war es, Berührungsängste abzubauen, damit Integration gelingen kann. Die Ergebnisse wurden dann von den Schülerinnen auch an anderen Schulen vorgestellt.

Für dieses Engagement ist das P-Seminar bereits mit dem 2. Preis in der Kategorie „Soziales Projekt“ bei der Jungen Akademie Barmherzigkeit in Vallendar ausgezeichnet worden und eine weitere Auszeichnung gab es Landesschülerrat im Kultusministerium erhalten.

 

Marc Hettich hat mit seinem Abschlussprojekt im Rahmen einer journalistischen Weiterbildung gleich doppelt „gepunktet“. Zum einen erhielt er für seine Videoreportage „Syrische Flüchtlinge in Krumbach“ die fabelhafte Note 1,6, zum andern hat ihn die Jury für den Integrationspreis auserwählt. Mit seiner Videoreportage wollte er eine sachliche Debatte anstoßen, Menschen aus der direkten Umgebung zeigen und dadurch mit Vorurteilen aufräumen. So sollte Empathie gefördert werden, die die fruchtbarste Grundlage für gelungene Integration bildet.

Dem Mediengestalter war es ein Anliegen, einer unsachlichen und zum Teil realitätsfremden Debatte zum Thema Flüchtlinge etwas entgegenzustellen. Mit der Videoreportage hat er die Berichterstattung von einer abstrakten auf eine greifbare, lokale Ebene gebracht.  Durch die regionale Nähe entstehen eine hohe Relevanz und eine höhere Nachhaltigkeit. Konkrete Erlebnisse und Meinungen von Flüchtlingen in Krumbach, von Helferkreis- Aktivisten und auch von kritischen Bürgern machen das Thema greifbar und verständlich. Es sollten also verschiedene Sichtweisen gezeigt werden. So kann Empathie für die jeweils andere Seite als Basis für ein friedliches Zusammenleben entstehen. Die Intention des Filmes war, zu einer sachlichen, vernunftbasierten und an menschlichen Werten orientierten Vertiefung der Debatte zu führen, was vor Ort gelungen ist.

 

Hans Kohler sieht es nach eigenen Worten als seine Aufgabe an, Menschen in Not zu helfen. Er ist ein Mensch, der sich mit außerordentlichem Einsatz für Asylbewerber im Landkreis einsetzt und zum Ausbau eines landesweiten Netzwerks beiträgt.

Als die Asylsuchenden die Thannhauser Unterkunft bezogen haben, habe es ihm weh getan, zu sehen, wie bedürftig die Menschen sind.  Er bemerkte, dass alle theoretischen Diskussionen über die Flüchtlingsproblematik sinnlos waren. Viel wichtiger war es ihm, direkt vor Ort anzupacken, schnelle und unkomplizierte Hilfe anzubieten: Asylbewerber ins Krankenhaus oder zu Behörden fahren, Übersetzer organisieren und vor allem sich der täglichen Sorgen und Nöten der Menschen anzunehmen.

Auf der Flucht werden viele Familien getrennt. Herr Kohler hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Familien wieder zusammenzuführen. In einer Ellenbogengesellschaft und in Zeiten, in der Menschen oft nur an sich denken, zeigt er Mitgefühl. Für sein besonderes ehrenamtliches Engagement wurde er bereits von den Mittelschwäbischen Nachrichten mit der Silberdistel ausgezeichnet.

 

Bei Rita Jubt handelt es sich um eine Günzburgerin, die sich mit viel Herzblut für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt. Sie ist eine zentrale Projektentwicklerin, Ideengeberin, Beraterin von Arbeitskreisen und Flüchtlingsinitiativen und eine unermüdliche, tatkräftige Helferin für die Flüchtlingsarbeit.

Sie unterstützt bei der persönlichen Begleitung und Unterstützung von Asylbewerbern bei Behördengängen. Frau Jubt hilft beim Ausfüllen von komplizierten Formularen oder Anträgen und weist den Weg durch den Behördendschungel. Zudem steht Sie den Asylsuchenden bei viele Situationen zur Seite. Die Asylkinder nennen Frau Jubt „Oma Rita“ und eine Bewohnerin der Unterkunft in Deffingen sagt über sie: „Sie ist mein Leben. Sie ist meine Schwester.“ Mit diesem Vertrauen kann sie die Asylsuchenden auch zu Arzt- und Krankenhausbesuchen oder ins Behandlungszentrum für Folteropfer begleiten.

Ebenso hat sich Frau Jubt der prekären Wohnsituation angenommen. Zum einen unterstützt Sie die Asylsuchenden bei der Wohnungssuche und Besichtigungsterminen. Zum anderen packt sie auch selbst ganz konkret mit an.  Die Asylbewerberkinder liegen ihr am Herzen. So organisiert Sie für diese nicht nur Kindergartenplätze, sondern sie hat es auch geschafft im Schuljahr 2015 / 2016 für vier Asylbewerberkinder aus Spendengeldern eine Hausaufgabenbetreuung zu finanzieren. Für das laufende Schuljahr hat Frau Jubt erreicht, dass eine Hausaufgabenbetreuung direkt an der Grund- und Hauptschule Wasserburg erfolgt und die Kinder somit in ihrem Klassenverband bleiben können. Bildung ist ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Daher vermittelt sie zahlreiche Flüchtlinge in Praktikantenstellen und Ausbildungsplätze bei Unternehmen im Landkreis Günzburg. Die Unterstützung reicht von der Stellensuche, über Hilfe beim Schreiben von Bewerbungen, bis hin zur persönlichen Begleitung zu Vorstellungsgesprächen.