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Landratsamt Günzburg

Großes Interesse der Waldbesitzer an Naturschutzförderung

Zu sehen ist eine Biberburg.

Biberburg

Zu sehen sind Biberspuren an einem Baum im Wald.

Biberspuren

Zu sehen ist ein Höhlenbaum.

Höhlenbaum

Auf sechs Prozent der Fläche des Privat- und Körperschaftswaldes soll nach Maßgaben des Vertragsnaturschutzprogramms Wald (VNP Wald) gewirtschaftet werden. Das ist das Ziel des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Im Landkreis Günzburg kamen die Untere Naturschutzbehörde und die Revierleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gemeinsam mit interessierten Waldbesitzern diesem Ziel ein Stück näher. Gefördert werden können z. B. Totholz und Biotopbäume, Nutzungsverzicht in Schluchtwäldern und der Erhalt von Biberlebensräumen.

Einer der Waldbesitzer, der heuer eine Fläche in das VNP Wald aufgenommen hat, ist Fammobilien III GmbH & Co. KG in Ziemetshausen. Neben Waldflächen im Naturpark Augsburg-Westliche Wälder gehört Fammobilien III GmbH & Co. KG auch ein Teil eines Biberlebensraums. „Das Waldstück befindet sich am Hang zum Bach, den der Biber aufstaut. Er bedient sich im gesamten Hangbereich und fällt sogar dicke Eichen“, beschreibt Armin Desch vom Forstbetrieb Seyfriedsberg die Situation. „An solchen Stellen gegen den Biber arbeiten zu wollen, macht keinen Sinn.“

Zusammen mit dem zuständigen Revierleiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Hubert Forstner, dem Biberberater Reinhold Domberger und der Biodiversitätsberaterin an der unteren Naturschutzbehörde Judith Kronberg wurde die Maßnahme „Erhalt von Biberlebensräumen“ des VNP Wald besprochen, die Fläche abgegrenzt und vor Ort markiert. „In der Vergangenheit haben wir vom Biber angenagte Bäume gefällt und aus dem Wald herausgeholt. Nun lassen wir dem Biber in dem Bereich freie Hand.“

Die Biodiversitätsberaterin Judith Kronberg ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Der Biber als Landschaftsgestalter ist bei den angrenzenden Eigentümern und Bewirtschaftern oft nicht gern gesehen. In diesem Biberbiotop ist der überwiegende Teil der betroffenen Flächen in öffentlicher Hand, sodass an dieser Stelle wenige Nutzungskonflikte bestehen. Mit der VNP Wald-Vereinbarung können wir eventuell aufkommende Zielkonflikte von vorn herein entschärfen.“ Die Vereinbarung zum Erhalt des Biberlebensraums über das VNP Wald hat immer eine Laufzeit von fünf Jahren, wobei vonseiten des Naturschutzes grundsätzlich eine Verlängerung der Maßnahmen angestrebt wird.

Auch Hubert Forstner, Revierleiter im Forstrevier Ziemetshausen, zeigt sich erfreut: „Wenn man in dem Wald, den man schon viele Jahre betreut, Schutzflächen abgrenzt oder Biotopbäume aufnimmt, sieht man ihn mit ganz anderen Augen.“ Wenn man gezielt nach Höhlenbäumen suche, werde einem bewusst, wie wertvoll der Wald als Lebensraum für verschiedene Tierarten sei und achte bewusst auf deren Lebensstätten, die sonst oft hoch oben im Verborgenen blieben. „So kann mit Hilfe des Vertragsnaturschutzprogrammes eine ökologische Aufwertung des Lebensraumes Wald mit ökonomischen Vorteilen des Waldbesitzers vereint werden. Eine echte Win-win-Situation. Und ein Biberrevier mit der riesigen Biberburg ist immer wieder beeindruckend.“

Insgesamt konnten im Landkreis Günzburg in dieser Antragsphase knapp dreieinhalb Hektar Biberlebensraum für zunächst fünf Jahre unter Schutz gestellt werden sowie ein Nutzungsverzicht für knapp 18 Hektar Schluchtwald im Naturschutzgebiet „Donauhänge und Auen zwischen Reisensburg und Offingen“ für zwölf Jahre abgeschlossen werden. Hinzu kamen der Erhalt von 82 Biotopbäumen und 26 mal Totholz, ebenfalls für zwölf Jahre, überwiegend im Naturpark Augsburg Westliche Wälder. „Unser Ziel ist es, den Schutz dieser Bäume und Flächen auch über die zwölf Jahre hinaus zu verlängern. Viele dieser Bäume weisen Höhlen auf. Teilweise konnten wir bei der Aufnahme der Bäume beobachten, dass sie vom Schwarzspecht oder anderen Vögeln bewohnt waren. Sie bieten somit wertvolle Lebensräume, auch über die zwölf Jahre hinaus“, erläutert Judith Kronberg.

Nähere Informationen zu den Fördermöglichkeiten im Rahmen des VNP Wald sind auf den Seiten des Waldbesitzerportals Bayern sowie des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz zusammengestellt. Interessierte Waldbesitzer, die sich für eine Förderung über das VNP Wald interessieren, können sich an den für sie zuständigen Revierleiter, die Biodiversitätsberaterin oder die Naturschutzreferenten der unteren Naturschutzbehörde wenden. Der Antragszeitraum läuft jährlich vom 1. Januar bis 31. Mai. Beratungen sind das ganze Jahr über möglich. Der Antrag ist beim zuständigen Revierförster zu stellen. Die untere Naturschutzbehörde prüft, ob die Maßnahme die Voraussetzungen des VNP Wald erfüllt.

Ansprechpartner an der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Günzburg:

Judith Kronberg: 08221 95-384, j.kronberg@remove-this.landkreis-guenzburg.de

Josef Schmid: 08221 95-304, j.schmid@remove-this.landkreis-guenzburg.de

Ottmar Frimmel: 08221 95-307, o.frimmel@remove-this.landkreis-guenzburg.de

Ansprechpartner beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten:

Forstrevier Ettenbeuren: Thomas Zimmermann, Telefon 08223 967883

Forstrevier Krumbach: Tobias Vorwieger, Telefon 08282 90072040

Forstrevier Ziemetshausen: Hubert Forstner, Telefon 08284 235

Links:

Weiterführende Informationen auf unserer Homepage:

>>> Biodiversitätsberatung