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Landratsamt Günzburg

Interview mit den Gartenbotschafterinnen

Die Gartenbotschafterinnen Ramona Horber und Anni Eschenbach über ihre Liebe zu ihrem eigenen Garten und den Kreislehrgarten in Krumbach

 

Zu sehen sind Gartenbotschafterinnen Ramona Horber und Anni Eschenbach in Hängematte

Ramona Horber und Anni Eschenbach

„Passen wir überhaupt zu zweit in eine Hängematte?“ Sie passen! Ramona Horber und Anni Eschenbach lachen, als sie sich zurechtsetzen. Seit vielen Jahren verbindet sie eine grün-bunte Freundschaft. Sie ist durch Zufall im Kreislehrgarten Krumbach bei den Kinder-Aktions-Nachmittagen des Kreisverbandes Günzburg entstanden und dann stetig gewachsen. Beide haben nämlich dieselbe Leidenschaft: Natur in ihrer ganzen Bandbreite und Vielfalt. Daher war klar: Sie machen das gemeinsam. 2021 gibt es also zwei Gartenbotschafterinnen. Ein Interview über Gartenliebe.

Welche Rolle spielt der Garten in Ihrem Leben?

Anni Eschenbach:  Ohne Garten würde mir zweifellos ein wichtiger Teil in meinem Leben fehlen. Hier kann ich runterfahren, entschleunigen und abschalten. Die Zeit am Morgen oder nach Feierabend, wenn keine Tageshektik herrscht, mag ich besonders. Während der Corona-Zeit habe ich oft von Leuten gehört, wie wichtig und hilfreich ihnen ihr Garten war. Mir ging es genauso.

Ramona Horber: Das Erleben von Wachsen, Reifen und Vergehen, von Aufbrechen und Verabschieden gefällt mir. Es hat viel mit dem Leben im eigentlichen Sinne zu tun. Da ist der Garten wie ein Spiegel, auch in seiner Unberechenbarkeit.

Ist ihre Gartenliebe auch ein Stück weit Erbe aus der Kindheit?

Eschenbach: Ich habe ganz selbstverständlich in unserem Garten Blumen gepflanzt, die ich als Kind im Garten meiner Eltern und meiner Oma positiv „erlebt“ habe. Auch bestimmte Kräuter und Gemüsesorten. Und unsere Kinder tun das auch schon und geben es damit wieder an ihre Kinder weiter.

Horber: Das Erleben von Wachsen und Vergehen ist eine segensreiche Erfahrung, die in vielen Bereichen des späteren Lebens eine gute Basis für Lebenstüchtigkeit darstellt. Auch aus Misserfolgen im Garten kann man lernen, z.B. wie man es anders macht und auch, dass es immer irgendwie weitergeht. Als Kind wächst man da unbewusst rein. Man lernt mit allen Sinnen und vergisst das nie wieder.

Was bedeutet es für Sie, selbst Obst, Gemüse und Kräuter im Garten anzubauen?

Eschenbach:  In erster Linie: Genuss! Als Landkind kennt man es gar nicht anders: Was zur Versorgung der Familie gebraucht wurde, wuchs im Garten und kam vom Hof.

Horber: Der wertschätzende Umgang mit Lebensmitteln hängt auch mit der Erfahrung zusammen, wieviel Arbeit, Mühe und Wunder darin steckt, bis aus dem Samenkorn eine Pflanze wird. Verschwenden oder wegwerfen von Lebensmitteln ist für mich auch heute noch ein absolutes „No-Go“!

Was macht den Kreislehrgarten aus Ihrer Sicht besonders?

Eschenbach:  Der Kreislehrgarten Krumbach ist der gemeinsame Garten der Gartenbauvereine des Kreisverbandes Günzburg. 1986, nach fünfjähriger Diskussions- und Planungszeit, konnte er als einer der ersten in Bayern eröffnet werden. Die Kreisfachberaterinnen und der Kreisverband haben ein kundiges Auge darauf, dass hier eine große Vielfalt an Themen geboten wird. Aktuelle Themen werden aufgegriffen und Lösungen aufgezeigt: Wie begegne ich im Garten dem Klimawandel, welche Grabbepflanzung ist sinnvoll und was kann ich pflanzen, wenn ich kein totes Schotterbeet vor dem Haus haben will?! Oft fehlt es den Gartenbesitzern, die sich an eine Neuanlage machen, noch an Wissen und Ideen. Um nicht einfach einem Trend folgen zu müssen, kann man sich hier viele Tipps holen, auch bei Vorträgen.

Horber:  Einmal in der Woche kann man dort die Gärtnerinnen und Gärtner persönlich antreffen und fachkundige Auskunft für Fragen und Problemen erhalten. Diesen Austausch ersetzt keine noch so tolle Gartenzeitschrift!

Welche persönliche Verbindung haben sie zum Kreislehrgarten Krumbach?

Eschenbach: Seit über dreißig Jahren komme ich hierher zu Gartenpflegerfortbildungen, zu Gartentagen und Kursen. Da wächst einem der Garten ans Herz.

Horber: Bei einem Schmetterlingsprogramm von Anni wurde ich infiziert! Seither lässt mich dieses Thema nicht mehr los.

Welches sind ihre Lieblingsecken im Kreislehrgarten?

Horber: Im Kreislehrgarten ist es der Bereich um den Teich. Dort ist immer etwas los. Auch die große Obstwiese bietet viel Potential für Naturfotos.

Eschenbach: Jetzt werden sie lachen, aber, wenn ich mit Kindern dort war, war es der große Komposthaufen. Hier mit Kindern zu buddeln und das wuselige Leben zu untersuchen macht einfach viel Freude und lässt staunen.

Welche interessanten Gärten/Parks gibt es in der Region? Wo kann man noch mehr Anregungen für den Obst- und Gemüseanbau und -verarbeitung im Garten erhalten?

Horber: Sehr interessant sind die Themengärten des Museums der Gartenkultur in Illertissen bei der Gärtnerei Gaißmayer. Hier werden alte Sorten aufgepflanzt, Saatgut gewonnen, man kann sich über Färberpflanzen informieren und vieles mehr. Neben dem Kreislehrgarten Krumbach ist auch der Kreismustergarten Weißenhorn sehr abwechslungsreich.

Eschenbach: Spontan fällt mir auch noch das Leipheimer Donaumoos mit dem Bohlenweg und das Gundelfinger Moos ein.  Aber es gibt hier unzählige wunderbare Gärten und Naturflecken. Eigentlich ist jeder Fleck Natur in unserer Landschaft so lebendig und sehenswert. Man muss nur die Augen aufmachen.

Was ist Ihre Botschaft als Gartenbotschafterin?

Horber: Machen Sie einfach und probieren Sie aus! Es kommt gar nicht darauf an, wie groß der Garten ist, sondern dass man sich darin wiederfindet. Dass er beseelt und nicht leblos ist.

Eschenbach: Freuen Sie sich über jeden Edelstein der Natur: Das Lied der Amsel, die Farben der Blüten, die Düfte der Kräuter und den unvergleichlichen Geschmack von selber angebautem Gemüse. Beißen Sie in den Apfel von Ihrem eigenen Baum und wenn es der Platz nicht hergibt, wenigstens in die eigenen Tomaten.

 

Ramona Horber ist Hobbyfotografin.

Sie nimmt die Natur unter die Lupe und vor die Linse. Besonders haben es ihr die Schmetterlinge angetan. Sie begleitet in ihrem Naturgarten jedes Jahr Falter des Schwalbenschwanzes von der Eiablage bis zum Abflug. Die Entwicklung hält sie in fantastischen Bildern fest und zeigt sie bei Vorträgen, in den sozialen Medien und in Schulen. Sie schreibt Artikel zu Natur- und Gartenthemen und hält Vorträge zu verschiedenen Naturthemen.
Die Arbeit mit Kindern ist ihr besonders wichtig.

Anni Eschenbach ist Gästeführerin für Natur und Stadtführerin.

Für den Gartenbauverein hat sie die erste Natur-Jugendgruppe des Landkreises aufgebaut. Zusammen mit motivierten Helfern hat sie die heimischen Naturthemen für die Kinder erlebbar gemacht. Im Kreisverband war sie lange Jahre Jugendbeauftragte und erarbeitete die Naturnachmittage, die gerne von Kindern und Jugendlichen besucht werden. Die Weiterbildung der Jugendbeauftragten in den Gartenbauvereinen war ihr ein großes Anliegen. Sie ist freiberufliche Akteurin im „Netzwerk Natur“ des Landkreises Günzburg, das Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung vermittelt.

Interview und Foto: Tina Sailer